Wider die Natur - 2020


Denkmal für Miinner und Frauen, die Opfer der Homosexuellen-Verfolgung in der NS-Zeit wurden
Karlsplatz, Wien
Eingeladener Wettbewerb

Die Arbeit besteht aus einem 3 x 10 Meter großen Edelstahlelement mit starkem Spiegeleffekt. Es zeigt den eingefassten Schriftzug WIDER DIE NATUR.

WIDER DIE NATUR ist der wortwörtliche Auszug aus dem Paragraphen § 129 l b welcher Grundlage für die Denunzierung, Verfolgung und Inhaftierung homosexueller Männer und Frauen in der NS-Zeit in Österreich war.

§ 129 l b reglementierte die auf das gleiche Geschlecht ausgerichteten sexuellen Beziehungen zwischen Männern und Frauen als „Unzucht wider die Natur mit Personen desselben Geschlechts". Sexuelle Beziehungen waren somit zur Gänze verboten. Der Paragraph war von 1852 bis 1971 in Kraft, die auf seiner Grundlage veranlassten Exekutionen, Zwangskastrationen und Zwangseinweisungen in Konzentrationslager wurden in Österreich jedoch nur in der NS-Zeit 1938-45 vollzogen.

Durch den Schriftzug wird die Gruppe der durch den Paragraphen § 129 l b in individuellen Geschichten zu Opfern gewordenen Personen und damit der hier zu Gedenkenden klar definiert. Es sind die ca. 1.400 Männer und 80 Frauen, die auf Grundlage dieses Paragraphen Verfolgte, Verurteilte, Ermordete während der NS Zeit wurden.

Über einem niedrigen Betonsockel, der auch des leichte Gefälle des Platzes ausgleicht, sieht WIDER DIE NATUR raumnehmend und zugleich raumspiegelnd im Resselpark. Trotz seiner nicht geringen Maße wirkt die Arbeit nicht massiv.

Die Reduzierung der Arbeit auf den Schriftzug WIDER DIE NATUR fordert die Vorübergehenden zum Nachdenken über dessen Inhalt heraus.

Der Schriftrahmnen ist so platziert, dass er gegen die Natur / vor der Natur der angrenzenden Pflanzflächen steht. Schon hierdurch ergibt Sich eine Irritation: Soll der Inhalt wörtlich genommen werden, ist er ironisch gemeint? Oder ist dies ein Kommentar zum naheliegenden, das Vorbild Natur aufrufende Sezessionsgebäude?

Durch den starken Spiegeleffekt auf der Vorder- wie auch auf der Rückseite und die Offenheit des Rahmens nimmt die Arbeit eine starke Interaktion mit dem Umraum auf. Natur und Menschen sind vor und hinter dem Rahmen sichtbar und werden permanent in diesem gespiegelt: Sie sind seine »Füllung".

Wieder die Natur
Die spiegelnde Oberfläche der Arbeit lässt den Umraum zum Inhalt und Ort des aktiven und persönlichen Gedenkens und Reflektierens am Karlsplatz werden. Für Passanten, die sich im Vorbeigehen spiegeln und/oder innehalten sowie für die LGTBIQ-Community als Treffpunkt, Bühne, Hintergrund

Wieder die Natur

Wieder die Natur
Die Arbeit wird abends indirekt beleuchtet sein durch schmale, dezente, vertikale Lichtbänder in den Zwischenräumen